Oral Health Index

Wie ist es um die Mundgesundheit und Dentalprophylaxe in europäischen Ländern bestellt? Um diese Fragen zu beantworten, haben die Dental-Experten von PlusDental eine umfassende Datenanalyse durchgeführt

Atlas der Zahngesundheit: Mundgesundheit und Dentalprophylaxe im internationalen Vergleich

Wie ist es um die Mundgesundheit und Dentalprophylaxe in europäischen Ländern bestellt? In welchen Nationen wird Zahngesundheit groß geschrieben und wo gibt es noch Aufholbedarf? Um diese Fragen zu beantworten, haben die Dental-Experten von PlusDental eine umfassende Datenanalyse durchgeführt, die Aufschluss über den Status der Zahngesundheit in 26 ausgewählten Ländern Europas geben soll. Dafür wurden anerkannte Studien und Statistiken ausgewertet, die Informationen über die Verbreitung zahnschädlicher Lebensgewohnheiten, den aktuellen Stand der zahnmedizinischen Versorgung sowie den Einsatz öffentlicher, zahngesundheitlicher Maßnahmen offenbart haben. Die Auswertung erlaubte eine Bewertung der Nationen in Bezug auf ihre Mundgesundheit und Dentalprophylaxe und darüber hinaus eine Rangliste der Länder mit der besten Zahngesundheit.

Zahnschädliche Gewohnheiten: Softdrinks, Zucker, Rauchen, Alkohol

Top: Estland, Ungarn, Schweden, Griechenland Flop: Belgien, Schweiz, Bulgarien, Lettland

Gesunde, weiße Zähne haben einen großen Einfluss auf das allgemeine Wohlbefinden und tragen maßgeblich zu einem positiven Erscheinungsbild bei. Leider lässt sich im gesamten europäischen Raum beobachten, dass die moderne Ernährung und weit verbreitete Lebensgewohnheiten die Öffentlichkeit in Sachen Zahngesundheit vor große Herausforderungen stellen. Für die Studie wurden daher zunächst Daten zum Konsum von Zucker, Softdrinks, Alkohol und Tabak ausgewertet.

Es zeigt sich, dass vor allem Belgien zu zahnschädlichen Gewohnheiten neigt. In einer Umfrage der EU gaben 20 Prozent der Befragten aus Belgien an, täglich Softdrinks zu trinken. Dieser Wert liegt deutlich über dem europäischen Durchschnittswert von acht Prozent, die jeden Tag zu Limonade, Cola oder Energy-Drinks greifen.

Beim Zuckerkonsum scheinen vor allem die Schweizer kein Halten zu kennen. Mit 50 Kilogramm pro Kopf und Jahr nehmen sie so viel Zucker zu sich wie keine andere Nation. In Deutschland liegt dieser Wert bei 35 Kilogramm pro Kopf und damit ebenfalls über dem europäischen Durchschnitt von 34 Kilogramm. Der übermäßige Konsum von Zucker und zuckerhaltigen Getränken ist die häufigste Ursache für Karies. Säurehaltige Lebensmittel und Getränke, wie Softdrinks, greifen dagegen den Zahnschmelz an und führen zu einer Demineralisierung der obersten Zahnschicht. Das Ergebnis sind häufig schmerzempfindliche Zähne.

Eine weitere Belastung für die Zähne stellt der Konsum von Alkohol dar. Alkoholische Getränke kombinieren oftmals hohen Zucker- und Säuregehalt und sind deshalb für die Zähne besonders herausfordernd. Mit 13 Litern pro Jahr wird in Lettland am meisten Alkohol konsumiert. Nur sechs Liter reiner Alkohol wird in Griechenland getrunken, ein Wert der positiv in die Bewertung des Status der Zahngesundheit floß.

Auch das Rauchen beeinflusst die Zahngesundheit negativ. Das gesundheitsschädliche Laster führt auf Dauer zu verfärbten Zähnen. Mit einem Raucheranteil von sechs Prozent wird in Schweden am wenigsten geraucht. Ein Wert, der sich in der Bewertung der Zahngesundheit von Schweden positiv auswirkt. In Bulgarien greifen dagegen 29 Prozent der Bevölkerung regelmäßig zur Zigarette und in Deutschland 22 Prozent.

Zahnmedizinische Versorgung: Zahnärzte, Nachwuchs, Karieswert

Top: Griechenland, Dänemark, Rumänien Flop: Bulgarien, Slowakei, Niederlande

Wer gut auf seine Mundhygiene achtet, wird nicht nur mit gepflegten Zähnen belohnt, sondern beugt auch langwierigen, oftmals schmerzhaften Zahnarztbehandlungen vor. Neben der täglichen Zahnpflege sind vor allem regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt wichtig. Da die zahnmedizinische Versorgung in Europa sehr unterschiedlich ist, wurde für die Studie ein Blick auf die Verbreitung von Zahnärzten geworfen. Mit 113 Zahnärzten pro 100.000 Einwohner stehen praktizierende Zahnärzte in Griechenland besonders flächendeckend zur Verfügung. Deutlich weniger sind es in Bulgarien, wo auf dieselbe Bevölkerungszahl nur 28 Zahnärzte kommen. Jeder Zahnarzt in Bulgarien hat demzufolge rund 3.600 Patienten. In Deutschland sind es nur rund 1.200 Patienten pro Zahnarzt.

Bereits bei Kindern sind Erkrankungen und Zahndefekte, wie Karies oder die sogenannten Kreidezähne, weit verbreitet. Dabei bietet ein gesundes Milchzahngebiss die beste Grundlage für die nachkommenden, bleibenden Zähne und langanhaltend gesunde Zähne bis ins hohe Alter. Der sogenannte Karieswert bzw. DMFT-Wert gibt Aufschluss über die durchschnittliche Anzahl an Zähnen, die bei Kindern im Alter von zwölf Jahren bereits in Behandlung sind. Den höchsten und in Bezug auf die Zahngesundheit schlechtesten Karieswert zeigen Kinder in der Slowakei. Durchschnittlich fünf Zähne sind im Alter von zwölf Jahren bereits in Mitleidenschaft gezogen. Ein deutlich gesünderes Gebiss haben Kinder in Dänemark, wo der Karieswert bei 0,4 liegt, aber auch in Deutschland mit einem Wert von 0,5.

Um die zahnmedizinische Grundversorgung auch in Zukunft sicherzustellen, ist die Nachwuchsförderung in der Zahnmedizin unerlässlich. Die Zahl der Absolventen gibt einen Eindruck darüber, wie sich die Versorgung in den kommenden Jahren entwickelt. Die Daten zeigen, dass Rumänien aktuell das Land mit der größten Nachwuchsförderung darstellt: Auf 100.000 Einwohner kommen zehn Absolventen der Zahnmedizin. Zum Vergleich sind es in Deutschland gerade einmal drei Absolventen, was auch dem europäischen Durchschnitt entspricht.

Zahngesundheitliche Maßnahmen: Fluorid-Versorgung, Versicherungsschutz, Finanzielle Belastung

Top: Deutschland, Niederlande Flop: Griechenland, Italien

Der Zahnschmelz ist zwar das härteste Material im Körper, aber unempfindlich sind die Zähne deswegen noch lange nicht. Vor allem Zucker und Säuren greifen den Zahnschmelz an und tragen zu dessen Demineralisierung bei. Fluoride können diesem Zahnzerstörungsprozess entgegenwirken. Zu den gängigsten Maßnahmen, die zu einer optimalen Versorgung mit Fluorid beitragen, gehören fluoridhaltige Zahncremes, Kochsalz, Milch, Tabletten, mit Fluorid angereichertes Trinkwasser und spezielle Fluoridbehandlungen vom Zahnarzt. Extra gefördert wird die Versorgung mit Fluorid in 19 der 26 untersuchten Ländern. Unter anderem in Deutschland, wo das meiste erhältliche Kochsalz und viele Zahncremes Fluorid enthalten.

Ein guter Versicherungsschutz ist die Grundlage für regelmäßige Vorsorgemaßnahmen und rechtzeitige Behandlung bei zahngesundheitlichen Erkrankungen, denn eine Behandlung beim Zahnarzt kann teuer sein. Eine gesetzliche Krankenversicherung, die möglichst viele Zahnbehandlungen einschließt, trägt langfristig zu einer besseren Zahngesundheit in der Bevölkerung bei. In Deutschland werden 68 Prozent der zahnmedizinischen Behandlungskosten von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Das ist ein europäischer Spitzenwert. Es folgen Kroatien mit 66 Prozent und die Slowakei mit 53 Prozent Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung. Der europäische Durchschnitt liegt bei etwa 30 Prozent. Eine große Barriere stellt die Situation in Griechenland dar, wo alle zahnmedizinischen Behandlungen privat bezahlt werden müssen. Weder Prophylaxe noch die einfachste zahnmedizinische Versorgung wird von der Krankenkasse übernommen.

Diese Situation spiegelt sich auch in den Daten wider, die die finanzielle Belastung durch Zahnarztkosten zeigen. 18 Prozent der Griechen, denen Kosten durch Zahnarztbehandlungen entstanden sind, fühlten sich von diesen stark finanziell belastet. Dabei bleibt Patienten oft nichts anderes übrig als den Arzt aufzusuchen, denn chronische Zahnschmerzen können die Lebensqualität extrem beeinträchtigen. Auch in Italien sind Zahnarztkosten ein Problem, welches zu großen Sorgen führt: 39 Prozent der Italiener gerieten durch Zahnarztrechnungen in starke finanzielle Schwierigkeiten. 25 Prozent der Kosten in Italien trägt die Krankenkasse. Deutlich entspannter und weniger Sorgen haben die Niederländer. Nur vier Prozent klagen über die finanzielle Belastung, obwohl die gesetzliche Versicherung nur elf Prozent der Zahnarztkosten übernimmt. In Deutschland bereiten die Zahnbehandlungskosten insgesamt 13 Prozent der Patienten Kopfzerbrechen.

Methodik, Definitionen und Quellen

Um den allgemeinen Zustand der Zahngesundheit aller ausgewählten Nationen zu bewerten, wurden Daten und Statistiken für die nachfolgend beschriebenen zehn Kriterien analysiert. Alle Kriterien wurden von unseren Experten aufgrund ihrer Aussagekraft in Bezug auf die Mund- und Zahngesundheit ausgewählt. Sie geben Aufschluss über die Verbreitung zahnschädlicher Lebensgewohnheiten, die Qualität der zahnmedizinischen Versorgung, aktuell und in Zukunft, sowie darüber inwieweit Gesetzgeber und Öffentlichkeit die Zahngesundheit flächendeckend sicherstellen.

Zahnschädliche Lebensgewohnheiten

  • Zuckerkonsum: Eine zuckerreiche Ernährung wirkt sich nicht nur negativ auf das allgemeine Wohlbefinden aus, sondern beeinflusst auch langfristig den Zustand von Zähnen und Gebiss. Je niedriger der Zuckerkonsum, desto besser die Bewertung. Quelle für Informationen über den jährlichen Zuckerkonsum pro Kopf in Kilogramm: Oral Health Country/Area Profile Project, Universität Malmö.

  • Softdrink-Konsum: Neben dem hohen Zuckergehalt enthalten Softgetränke, wie Cola, Limonade und Energy-Drinks, hohe Konzentrationen an Säuren, die den Zahnschmelz angreifen und zur Demineralisierung der Zähne beitragen. Je niedriger der Softdrink-Konsum, desto besser die Bewertung. Quelle für Informationen über den Bevölkerungsanteil, der mindestens einmal täglich Softdrinks konsumiert: Eurostat.

  • Alkoholkonsum: Alkoholische Getränke enthalten in der Regel viel Zucker und verschiedene Säuren, die die Zahnsubstanz angreifen. Je niedriger der Alkoholkonsum, desto besser die Bewertung. Quelle für Informationen über den jährlichen Alkoholkonsum pro Kopf in Litern: OECD “Health at a glance: Europe 2020”.

  • Rauchen: Die Inhaltsstoffe von Tabak und Zigaretten sind nachweislich kanzerogen und führen in der Regel auf Dauer zu einer Verfärbung der Zähne. Je kleiner der Raucheranteil, desto besser die Bewertung. Quelle für Informationen über den Anteil der Bevölkerung über 15 Jahren, der täglich raucht: Eurostat.

Zahnmedizinische Versorgung

  • Karieswert: Der DMFT-Index (Karieswert) beschreibt die durchschnittliche Anzahl an Zähnen, die bei Kindern im Alter von zwölf Jahren kariös (Decayed) oder bereits ausgefallen sind (Missing) oder eine Füllung enthalten (Filled Teeth). Je niedriger der Karieswert, desto besser die Bewertung. Quelle für den DMFT-Index:Oral Health Country/Area Profile Project, Universität Malmö.

  • Zahnärzte: Die zahnmedizinische Grundversorgung wird durch eine flächendeckende Verfügbarkeit praktizierender Zahnärzte sichergestellt. Je mehr Zahnärzte, desto besser die Bewertung. Quellen für die Zahl praktizierender Zahnärzte pro 100.000 Einwohner: OECD “Health care resources”, Eurostat “Health care personnel”.

  • Zahnmedizinischer Nachwuchs: Die zahnmedizinische Grundversorgung wird langfristig durch attraktive Ausbildungsangebote im Bereich Zahnmedizin gesichert. Je mehr Absolventen der Zahnmedizin, desto besser die Bewertung. Quelle für die Zahl der Absolventen eines Zahnmedizinstudiums pro 100.000 Einwohner: Eurostat "Health graduates".

Zahngesundheitliche Maßnahmen

  • Fluorid-Versorgung: Zu den gängigsten Maßnahmen, die zu einer optimalen Versorgung mit Fluorid beitragen, gehören fluoridhaltige Zahncremes, Kochsalz, Milch, Tabletten, mit Fluorid angereichertes Trinkwasser und spezielle Fluoridbehandlungen vom Zahnarzt. Fördert der Gesetzgeber eine dieser Maßnahmen, steigt die Bewertung. Quelle für Informationen über die Fluorid-Versorgung in Europa: The council of European Dentists "EU Manual of Dental Practice 2015" (S. 31).

  • Versicherungsschutz: Ein gesetzlicher Krankenversicherungsschutz, der auch zahnmedizinische Behandlungen und Vorsorgeuntersuchungen einschließt, trägt zu flächendeckend besserer Zahngesundheit bei. Je höher der Prozentsatz der Zahnbehandlungskosten, die der gesetzliche Versicherungsschutz abdeckt, desto besser die Bewertung. Quelle für den Anteil der Zahnarztkosten, den die gesetzliche Krankenversicherung abdeckt: OECD "Health at a glance: Europe 2020. Extent of health care coverage.

  • Finanzielle Belastung: Chronische Zahnschmerzen und ein von außen sichtbares, unvollständiges Gebiss können die Lebensqualität umfassend beeinträchtigen. Zahnbehandlungskosten, die nicht von der Versicherung abgedeckt werden, können finanziell belastend sein. Je weniger Menschen sich durch zahnmedizinische Behandlungen finanziell belastet fühlen, desto besser die Bewertung. Quelle für Informationen über den Bevölkerungsanteil, der sich durch Zahnarztbehandlungen stark finanziell belastet sieht: Eurostat.

  • Berechnung: Für die Bewertung und Berechnung der endgültigen Rangliste wurde ein gängiges Standardisierungsverfahren genutzt. Dafür wurden die Ergebnisse aller Einflussfaktoren mit einer Bewertung von 0 bis 100 standardisiert. Die Nation, die in einem Einflussfaktor in Bezug auf eine positive Zahngesundheit am besten abschnitt, erhielt die Bewertung 100. Die Nation, die in einem Einflussfaktor in Bezug auf eine positive Zahngesundheit am schlechtesten abschnitt, erhielt die Bewertung 0. Alle anderen Nationen ordneten sich ihrem Ergebnis entsprechend dazwischen ein. Am Schluss wurden alle Bewertungen addiert. Die Nation mit der höchsten Bewertung führt die Rangliste der Länder mit der besten Zahngesundheit an. Die Nation mit der niedrigsten Bewertung schließt die Rangliste ab.

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